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Gröden

Grödner Holzschnitzkunst

Die Riffesers - ihre Anfänge

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Die Grödner Holzschnitzkunst


Wie in den anderen europäischen Berggebieten (Oberammergau, Berchtesgaden, Odenwald; Erzgebirge und Meiringen) wurde auch in Gröden bereits im frühen Mittelalter mit der Holzverarbeitung begonnen. Waren es anfangs gedrechselte Käseschüsseln und dergleichen, ging man bald zu anderen Gebrauchsgütern und kunstvolleren Gegenständen über. Gute Beispiele davon sind noch heute im Grödner Heimatmuseum in St. Ulrich zur Schau gestellt.
Der erste nachweisbare Bildhauer in Gröden ist Christian Trebinger um 1615. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt Melchior Vinazer, welcher bei Meister Worath in Brixen die Bildhauerei erlernte und von diesem am 22. Mai 1650 den Meisterbrief erhielt. Vier, vielleicht sogar sechs seiner Söhne wurden Bildhauer. Die bekanntesten davon sind Dominikus und Martin, die sich in Wien, Venedig und Rom ausbildeten und deren Werke in Kirchen und Museen des gesamten Alpenraumes zu finden sind.
Martin war es, der für die Grödner Holzschnitzer anfertigte, die dann immer wieder mit mehr oder weniger Geschick nachgeschnitzt wurden: ein erstes Beispiel der heute in Gröden üblichen Vorgangsweise, nach einem Künstleroriginal Nachbildungen anzufertigen. Auf Grund der Lehrtätigkeit der Vinazer breitete sich in wenigen Jahrzehnten die Schnitzkunst derart aus, dass Gröden im Jahre 1700 bereits an die 50 Bildhauer aufwies. .

Eine bezeichnende Episode von der Beliebtheit der Grödner Holzarbeiten ist uns aus dem Jahre 1788 überliefert. Raubbau und Holzfrevel hatten den Raschötzer Wald oberhalb St. Ulrich, einen nordseitig gelegenen Bannwald, so dezimiert, dass die Regierung in Wien ein Dekret erließ, die Anzahl der Grödner Holzbildhauer und Schnitzer von 300 auf 150 Personen zu reduzieren.
Der Gemeinderat von St. Ulrich beschloss darauf in einer Dringlichkeitssitzung besondere Schutzmaßnahmen für den Raschötzer Wald, worauf das Dekret von der Regierung in Wien wieder rückgängig gemacht wurde: wohl eines der ersten historisch bekannten Beispiele behördlich angeordneten Umweltschutzes.

Um 1800 waren gut zwei Drittel der Grödner Bevölkerung mit der Bildhauerei oder dem Holzkunsthandwerk beschäftigt. An Stelle von Almkäse, Loden und Spitzen waren es nun Holzschnitzereien, die von Gröden aus in die ganze Welt geliefert wurden. Die Erzeugnisse jener Zeit setzten sich sowohl aus kirchlichen Arbeiten als auch aus Uhrenständern, Holzpuppen und Spielwaren zusammen.
In den Anfängen erfolgte der Vertrieb der Grödner Holzschnitzereien fast ausschließlich über den Wanderhandel. Besonders in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts zogen viele Grödner mit ihren "Kraxen" quer durch Europa und insbesondere durch die Mittelmeerländer, deren romanische Sprachen ihrem Rätoromanischen am ähnlichsten waren.
Im Jahre 1864 gab es in den verschiedensten europäischen Ländern bereits über 100 Grödner Niederlassungen, und in den meisten Fällen überließen die Gründer diese Firmen ihren Nachkommen und kehrten im Alter wohlhabend und angesehen nach Gröden zurück. Als mit dem Aufkommen der Eisenbahn der Direktversand ermöglicht wurde, wurde der Großteil dieser Niederlassungen wieder aufgelassen.
Diese Entwicklung brachte nicht nur der Grödner Holzschnitzerei neuen Aufschwung, sondern auch manch soziale Nachteile: Immer öfter kopierten allzu geschäftstüchtige Unternehmer gegenseitig ihre Modelle und es entstanden ein erbitterte Konkurrenzkämpfe, deren Folge sowohl Qualitätsverlust als auch geminderte Einkommen für Heimarbeiter waren. So versuchten immer mehr Künstler und Handwerker ihr Glück in der Selbständigkeit und brachten neuen Aufschwung ins Tal.

Während die Bildhauer in Gröden hauptsächlich damit beschäftigt waren Altäre, Statuen und Einrichtungen für Kirchen herzustellen und in alle Welt zu exportieren, schnitzten die Heimarbeiter vornehmlich Kinderspielzeug. Dabei spielten insbesondere Gliederpuppen, Pferdchen und bewegliche Tiere und Figuren eine große Rolle. Bald wurden diese Erzeugnisse in so großer Menge und derart minderer Qualität hergestellt, dass bei den Lieferungen der Heimarbeiter diese gar nicht mehr gezählt, sondern nur mehr gewogen wurden.
Gliederpuppen wurden hauptsächlich nach England exportiert, wo man sie bekleidete und als "Dutch Dolls" (holländische Puppen) nach USA weiterlieferte.

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