Gröden: Ein Rückblick
Eine vorrömische Besiedlung Grödens gilt als gesichert. Bestätigung dafür sind einmal der Fund eines Doppelgrabes oberhalb von Stufan in St. Ulrich, stammend aus der La-Tène Zeit, weiters ein kunstvoll gearbeiteter Bronzedolch, welcher anfangs des vergangenen Jahrhunderts auf dem "Troi paian" gefunden wurde: einem historischen Saumpfad, der in alten Zeiten quer durch die Dolomiten bis in das Eisacktal führte.
Diese Annahme wird noch durch jüngste Funde von Steinwerkzeug erhärtet, die vor etwa 8000 Jahren zur Fertigung von Jagdwaffen gedient hatten.
Das älteste bekannte Dokument aus der Geschichte Grödens stammt aus dem Jahre 999. Es handelt sich dabei um eine Schenkungsurkunde, mit welcher der bayrische Graf Otto von Andechs verschiedene Güter, darunter einen "Forestum ad Gredine", also einen Wald bin Greden (heute: Gröden)dem Bischof Gottschalk von Freising übermacht. Damit scheint erstmalig der Name "Gröden" urkundlich auf. Über die genaue Bedeutung dieser möglicherweise vorrömischen Bezeichnung ist man sich heute noch im Unklaren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei diesem Wort um die indogermanische Bezeichnung für "Einzäunung" gehandelt haben könnte.
Eine Kontinuität der Siedlung während des ersten Jahrtausends wird von den Forschern heute in Frage gestellt: die frühesten Urkunden erwähnen nur Weiden und Wälder, jedoch keinerlei Höfe. Die Rodung sowie entsprechende Dauersiedlungen erfolgten erst ab dem 11. Jahrhundert..
Bis zu den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts war Gröden inmitten seiner Dolomitentürme von den kriegerischen und sozialen Wirren Europas relativ verschont geblieben.
Die Bewohner dieses Hochtales waren immer schon ein eigenartiges Völkchen.
Ihre Traditionen und ihr Brauchtum waren ihnen stets teuer und nicht selten zogen sie aus, um diese zu verteidigen. Noch heute sind sie stolz auf ihre eigene Sprache, das Rätoromanische. Zusammen mit ihren Nachbarn, den deutschsprachigen Südtirolern, mit denen sie bis 1918 zu Österreich gehört hatten, verfügen sie heute über eine weitreichende Autonomie in vielen kulturellen und administrativen Bereichen.
Durch Jahrhunderte hindurch bestand die Haupteinnahmequelle für die Grödner Bevölkerung aus der Viehwirtschaft. Obwohl die Sommermonate kurz und rau waren, erzeugte man einen ausgezeichneten Bergkäse, der guten Absatz fand. Zudem gab es im Tale mehrere Lodenwalken und die so genannten "Gredner Döggn" waren im ganzen Land bekannt und durften in den Bauernstuben der Tirolerinnen natürlich nicht fehlen.
Bald gesellten sich Klöppelarbeiten hinzu. Die Blüte der Klöppelei bestand zwischen 1750 und 1800, und trotz des Maschinenzeitalters gab es noch 1850 vereinzelte Klöpplerinnen im Tal.
Bald beschäftigte sich ein großer Teil der Grödner mit dem Warenhandel, und viele eröffneten Geschäftshäuser in allen Ländern Europas und gab sich mit Handel, Makelgeschäft und Geldwechsel ab. Den Weltruf verschaffte schließlich den Grödnern jedoch die Bildhauerei und Holzschnitzerei.